Feriendialyse ermöglicht Tapetenwechsel
Daniel Marinello liegt bequem im Bett. Sein Oberkörper ist leicht aufrecht, vom linken Unterarm führen zwei Plastikschläuche in die nahezu menschengrosse Maschine neben dem Bett. Die rote Flüssigkeit in den Schläuchen lässt erahnen, dass Blut in das Gerät geleitet wird, das mittlere der drei elliptischen Räder dreht sich im Uhrzeigersinn, was bedeutet, dass die Pumpe ihren Dienst tut.
Er schaut interessiert auf den Bildschirm, der am Bettende befestigt ist. Im Mittagsmagazin im zweiten deutschen Fernsehen ZDF läuft ein Beitrag über Gefängnisse in Grossbritannien, die aus allen Nähten platzen. Daniel Marinello hat gerade viel Zeit, er wird noch gute vier Stunden hier liegen. Er befindet sich auf der Dialysestation, wo sein Blut gereinigt und von Abfall- und Giftstoffen befreit wird. Ins Spital Interlaken kommt er nicht, weil er in der Region wohnen würde, nein, er absolviert gerade eine seiner Feriendialysen.
Von unschätzbarem Wert
In Hasliberg besitzt Daniel Marinello ein Ferienhaus, wo er seit mehr als vierzig Jahren regelmässig seine Urlaube verbringt. Seit einigen Jahren kann er das nur noch dank der Feriendialyse im Spital Interlaken. Denn Daniel Marinellos Blut benötigt dreimal die Woche eine gründliche Reinigung.
Er ist so fasziniert ob der Leistungsfähigkeit der Maschine, die sein Blut auffrischt, dass er sie dem Besucher vorrechnet. «Pro Minute werden 3,5 Deziliter durch den Filter gepumpt, das heisst, in den vier Stunden, die eine Sitzung dauert, reinigt das Gerät über 80 Liter Blut. Das finde ich bemerkenswert.»
«Ohne Dialyse könnte ich nicht mehr in die Ferien fahren.»
Für Daniel Marinello ist die Feriendialyse von fast unschätzbarem Wert. Sie ermögliche ihm einen Tapetenwechsel, wie er hervorhebt. «Ohne diese Möglichkeit könnte ich nicht mehr nach Hasliberg in die Ferien fahren.» Um die Bedeutung der Dialyse für sein Leben zu unterstreichen, fügt er hinzu: «Würde ich mit der Dialyse aussetzen, wäre ich innert zehn Tagen tot.»

Marinello schätzt das Angebot der fmi Spitäler AG - ohne dieses könnte er keine Ferien im Berner Oberland verbringen.
Super-Betreuung in Interlaken
Auf die Dienstleistung des Spitals Interlaken aufmerksam wurde Daniel Marinello durch ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt der Klinik in Zürich, wo er sich abgesehen von der Zeit, die er im Berner Oberland zubringt, behandeln lässt. Er ist restlos begeistert: «Ich erhalte hier in Interlaken eine Super-Betreuung. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre und die Fachleute sind sehr kompetent.»

Daniel Marinello betont, dass er die familiäre Atmosphäre in der Dialysestation sehr schätzt (im Bild Manuela Schneider, Stv. Stationsleiterin Pflege Dialyse).
Wer über ein Regionalspital die Nase rümpfe und allenfalls die Qualität einer Behandlung anzweifle, habe echt keine Ahnung, fügt er mit Nachdruck hinzu. Am meisten Eindruck mache ihm die Menschlichkeit, mit denen das Personal seine Arbeit erledige. «Das ist in unserem durchgetakteten Gesundheitswesen heute keine Selbstverständlichkeit mehr.»
Dialyse funktioniert weltweit gleich
Fünf bis sechs Patientinnen und Patienten wie Daniel Marinello betreut das Spital Interlaken monatlich im Schnitt, wie Manuela Schneider, stellvertretende Stationsleiterin Pflege in der Dialyse, ausführt. Eine gute Handvoll von ihnen sei regelmässig zu Gast, teilweise kämen die Personen aus dem nahen und sogar fernen Ausland, wie Manuela Schneider erklärt.
Mit der Feriendialyse könne das Spital Interlaken einen Beitrag an die Attraktivität der Region als Urlaubsdestination leisten, ist die stellvertretende Stationsleiterin Pflege überzeugt. Der grosse Vorteil an einer Dialyse sei, dass das Verfahren weltweit gleich funktioniere, einzig die Geräte würden sich voneinander unterscheiden. Die Erfahrungen, die Manuela Schneider und ihre Kolleginnen und Kollegen mit Patientinnen und Patienten der Ferienanalyse machen, sind weit gehend positiv. «Sie sind meistens mega aufgestellt, weil sie durch die Dialysemöglichkeit mehr Bewegungsfreiheit haben.»
Onkel hatte weniger Glück
Eine Beobachtung, die Daniel Marinello bestätigt. «Für mich ist die Dialyse wie ein geschenktes Leben.» Sein Onkel habe dieses Glück nicht gehabt. In den 1950er-Jahren habe es noch keine Blutreinigungsgeräte gegeben. «Er starb relativ jung an Nierenversagen», sagt Daniel Marinello und blickt andächtig an die Wand gegenüber. Im Spiegel zeigen die Hügel südlich des Spitals ihre Schönheit im von einem Gewitterregen frisch gewaschenen Licht.
Feriendialyse
Das Spital Interlaken verfügt über eine Dialysestation mit 14 Plätzen. Dort bietet es Dialysen nicht nur für Menschen aus der Region, sondern auch für Feriengäste an. Voraussetzung ist, dass sich diese einige Wochen vor dem Aufenthalt melden, damit die Fachleute des Spitals Besonderheiten klären und die Dialyse optimal vorbereiten können. Patientinnen und Patienten aus der Schweiz und der EU benötigen eine Kostengutsprache der Krankenversicherung. Personen, die von ausserhalb dieser Staaten kommen, müssen die Kosten selbst bezahlen.
Zur Person
Daniel Marinello ist Rentner, verheiratet und wohnt mit seiner Frau in Zollikon im Kanton Zürich. Während vierzig Jahren betrieb er eine Früchte- und Gemüsehandelsfirma in Zürich. Heute führt sein Sohn den Betrieb weiter. Daniel Marinello liebt es, in den Ferien im Berner Oberland am brennenden Cheminée seines Ferienhauses zu sitzen und zu lesen. Am liebsten Bücher, von denen er auf seinem Smartphone eine ganze Liste hat, die er sich noch zu Gemüte führen will.

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