Er kümmert sich um alles, wo ein Kabel dranhängt
Text: Daniel Göring, Foto: Tino Kistler
In einem Installationsraum im Untergeschoss des Spitals Interlaken stehen offene Schränke mit Steckplätzen, Verkabelungen und Übertragungsgeräten. An einem tiefen Tisch in der Mitte des Raums sitzt Matthias Jaggi vor einem Bildschirm. Er gibt via Tastatur einen Befehl ein und nach wenigen Sekunden erscheint die gewünschte Information auf der Anzeige. Nach einer Handvoll Durchläufen hat er die Notbeleuchtung in den drei Gebäuden A, T und K überprüft.

Matthias Jaggi kontrolliert 2x jährlich die Batterieleistung der Notbeleuchtung.
Von den rund 450 Lampen hat eine einzige eine Batteriestörung gemeldet. Das heisst, die Batterie wäre bei einem Stromausfall vermutlich nicht in der Lage, wie per technischer Vorschrift gefordert, die Leuchte eine Stunde lang mit Energie zu versorgen. Die manuelle Kontrolle, die Matthias Jaggi zweimal jährlich vornimmt, ergänzt die Test, welche die Notbeleuchtungsanlage regelmässig automatisiert durchführt. Die Lampe mit der schwachen Batterie hängt an der Decke im Korridor der Geburtshilfe auf dem zweiten Stock. Matthias Jaggi nimmt sich vor, die Batterie im Verlauf des Tages auszuwechseln.
Breites Tätigkeitsfeld
Der Mann mit dem kurzgestutzten Bart ist einer von drei Betriebselektrikern im Spital Interlaken. «Wir sind für alle Geräte zuständig, an denen ein Kabel hängt», umschreibt er lachend seinen Aufgabenbereich. In der Fachsprache ausgedrückt, sind Matthias Jaggi und seine Kollegen dafür verantwortlich, dass die Hausinstallationen in den Gebäuden und auf dem Spitalgelände wunschgemäss ihren Dienst tun.
Um die Breite des Tätigkeitsfeldes abzubilden, muss er einige Substantive aufzählen: Beleuchtung, Ventilatoren in den Lüftungsanlagen, Notstromaggregate, Photovoltaik-Anlagen, Tür-, Fenster und Rollladen-Automatiken, Steckdosen und elektrisch betriebene Geräte vom Flaschenwärmer bis hin zur Fritteuse in der Spitalküche. Dabei verrät Matthias Jaggi gleich auch, welche Apparaturen am meisten Schwierigkeiten machen: «Es kommt regelmässig vor, dass Toaster, Wasserkocher und Mikrowellengeräte, die auf den Stationen im Einsatz sind, einen Stromausfall auslösen.»

Als Betriebselektriker ist Jaggi für alle Geräte zuständig, an denen ein Kabel hängt.
Kaffeemaschine ausgelaufen
Auf der schmalen Arbeitsbank in der Werkstatt vis-à-vis des Haupteingangs hat Matthias Jaggi eine weitere Patientin stehen. Eine Kaffeemaschine, die das Personal der Onkologieabteilung benutzt, hat irgendwo ein Leck. Der Betriebselektriker hat das Gerät auseinandergeschraubt, als nächstes wird er mit einem Dichtungstest herauszufinden versuchen, wo genau die Schwachstelle liegt, die dazu führt, dass Wasser aus der Maschine ausläuft. Wenn nicht etwas Dringenderes dazwischenkommt, ein System ausfällt, ein Gerät eine Störung hat oder eine Anlage keinen Strom mehr.
«Mir gefällt die Vielfalt an Anlagen und Geräten und das Zusammenspiel der zahlreichen Systeme.»
Die Mannigfaltigkeit der Aufgaben ist es auch, die Matthias Jaggi an seinem Job zusagt. «Mir gefällt die Vielfalt an Anlagen und Geräten und das Zusammenspiel der zahlreichen Systeme, das wir im Hintergrund gewährleisten müssen.» Neben den abwechslungsreichen Tätigkeiten mag Matthias Jaggi insbesondere, dass er – abgesehen von Notfällen und dringenden Einsätzen – seine Aufträge selbständig planen und durchführen kann.
Zu Beginn ein wenig Überwindung gekostet hätten ihn Einsätze in den Patientenzimmern, etwa, um eine defekte Steckdose auszuwechseln, erzählt Matthias Jaggi. «Ich hatte das Gefühl, in die Privatsphäre der Leute einzudringen.» Allmählich habe sich die Empfindung jedoch gelegt, vor allem, weil Patientinnen und Patienten stets mit Verständnis reagiert hätten, so der Betriebselektriker.

Pikettdienste im Spital sind herausfordernd - Jaggi hat gelernt, kühles Blut zu wahren und Prioritäten zu setzen.
Vom Neubau ins Spital gewechselt
Bevor er Ende 2024 für das Spital Interlaken zu arbeiten begann, war Matthias Jaggi bereits im Spital tätig. Im Neubau sorgte er als leitender Elektroinstallateur einer beauftragten Firma für die Montage der Elektroinstallationen. Das Umfeld und die Atmosphäre sagten ihm so gut zu, dass er sich zum Abschluss der Arbeiten auf eine freie Stelle als Betriebselektriker bewarb und nach gut einem Jahr auf der Baustelle in den Spitalbetrieb wechselte.
Anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig sei der Pikettdienst rund um die Uhr gewesen, den sich die Betriebselektriker und die anderen Mitarbeitenden des Bereichs Sicherheit und Technik teilen, räumt Matthias Jaggi ein. «Es war manchmal ziemlich herausfordernd, mehrere Anfragen wegen eines Defekts oder eines Stromausfalls aufzunehmen, wenn gleichzeitig ein Systemalarm bei uns einging.» Er habe lernen müssen, kühles Blut zu bewahren und klare Prioritäten zu setzen, erläutert Matthias Jaggi. Und bei Bedarf einen Kollegen zur Unterstützung aufzubieten.
Helfen, damit andere helfen können
So anspruchsvoll der Pikettdienst für den Betriebsneuling auch gewesen sein mag, so schön war das Erlebnis, welches Matthias Jaggi bereits kurz nach seinem Stellenantritt während des Piketts hatte. Eines Abends meldete jemand aus dem Notfall, dass das Kühlsystem des Medikamentenschranks ausgefallen sei. Matthias Jaggi eilte hin, untersuchte das Gerät und fand heraus, dass ein anderer, nicht so wichtiger Apparat für den Stromunterbruch verantwortlich war.
Ein kurzes Umstecken genügte und der Medikamentenschrank funktionierte wieder einwandfrei. Matthias Jaggi hat die dankbaren Gesichter des medizinischen Personals auf dem Notfall nicht vergessen. «Es war eine wunderbare Erfahrung, jemandem helfen zu können, damit jemand anderem geholfen werden konnte.»

Zur Person
Matthias Jaggi ist Elektroinstallateur und Elektrotechniker HF. Seit Dezember 2024 arbeitet er für den Bereich Technik und Sicherheit im Spital Interlaken. Der 29-Jährige wohnt in Niederried und hält sich in der Freizeit gerne draussen auf. Als passionierter Läufer nimmt er regelmässig am Grand Prix Bern und am Eiger-Ultra-Trail teil. Zudem engagiert er sich in der Freien Evangelischen Gemeinde Unterseen-Interlaken. Er ist in der Jugendgruppe aktiv und spielt Bass in den Gottesdiensten.

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