Spital Frutigen: Psychiatrie eröffnet zwölf stationäre Betten und Tagesklinik
«Bis Mitte Januar konnten wir Patientinnen und Patienten aus dem Kandertal nur ambulant betreuen», sagt Dr. med. Thomas Ihde, geschäftsführender Chefarzt Psychiatrie. Im Durchschnitt bedeute das eine Therapiestunde alle zwei bis vier Wochen. Häufig reiche das aber in einer akuten Krise nicht aus. Wer mehr Tagesstruktur oder sogar einen stationären Aufenthalt benötige, musste bisher nach Interlaken, Meiringen oder Thun ausweichen. Zudem übersteige auch im Berner Oberland die Nachfrage das psychiatrische Angebot deutlich. Aktuell müsse man für eine Erstkonsultation mit einer Wartezeit von bis zu acht Wochen rechnen.

Zum Angebot der neuen Psychiatriestation und Tagesklinik gehören sowohl Einzel- wie auch Gruppentherapien.
Zwölf stationäre Betten und Tagesprogramm von 9 bis 16 Uhr
Die Spitäler fmi AG hat deshalb ihr psychiatrisches Angebot im Spital Frutigen ausgebaut. Seit dem 12. Januar 2026 stehen hier zwölf stationäre psychiatrische Betten zur Verfügung. Nebst der Behandlung von Personen in einer akuten Krisensituation bildet die Behandlung von Frauen mit psychischen Belastungen rund um Geburt oder Menopause einen Schwerpunkt. «Dank der engen Zusammenarbeit von psychiatrischen, pflegerischen und gynäkologischen Fachpersonen konnten wir ein überregional einmaliges, spezialisiertes Angebot aufbauen», so Thomas Ihde. Ausserdem gebe es schweizweit nebst Frutigen nur drei andere spezialisierte Psychiatriestationen, in denen ein Aufenthalt mit Kind möglich sei.
Gleichzeitig mit der Psychiatriestation ist auch die Tagesklinik gestartet. Deren Angebot richtet sich an Personen, die eine Tagesstruktur oder eine engere Begleitung brauchen, aber keinen stationären Aufenthalt. Die Tagesklinik hat mit einem Teilbetrieb Mitte Januar begonnen, ab Mitte März wird sie im Vollbetrieb an allen Wochentagen Einzel- und Gruppentherapien von 9 bis 16 Uhr anbieten. Das Programm wird Themen wie Emotionsregulation, Körpertherapie und soziales Kompetenztraining umfassen.
Um die nötige Infrastruktur zu schaffen, wurde der wenig genutzte 1. Stock des Spitalanbaus sowie der Dachstock umgestaltet. Insgesamt hat das Unternehmen rund 2 Millionen Franken in den Umbau investiert.
Offizielle Eröffnung mit Gesundheitsdirektor
Am 17. Februar 2026 sind die neuen Angebote offiziell eröffnet worden. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Behörden und Praxen. Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg sieht im Ausbau der Psychiatrie in Frutigen ein Leuchtturmprojekt für den ganzen Kanton: «Das Gesundheitswesen verändert sich sehr rasch und wir bauen daher die Angebote um. Der Spitäler fmi AG ist es am Standort Frutigen gelungen, eine Versorgungslücke für die lokale Bevölkerung zu schliessen und gleichzeitig ein spezialisiertes, zukunftsgerichtetes Angebot aufzubauen.» Auch Ernst Wandfluh, Präsident der Planungsregion Kandertal, würdigt das Engagement der Oberländer Spitalgruppe: «Wir schätzen, dass die Unternehmensleitung sowohl personell als auch finanziell in den Standort investiert. Eine funktionierende Gesundheitsversorgung im Kandertal mit einer 24/7-Notfallstation ist zentral für die Bevölkerung und die Gäste unserer Region.» Deshalb werde man auch gemeinsam mit dem Verwaltungsrat der Spitäler fmi AG das Projekt «Gesundheitsnetzwerk Kandertal» weiterverfolgen. Dieses hat eine professionelle, bedarfsgerechte und bezahlbare Gesundheitsversorgung für das Kandertal zum Ziel und soll die Zusammenarbeit der einzelnen Gesundheits-Dienstleistenden verstärken.

Sie eröffneten am 17. Februar 2026 offiziell die neue Psychiatriestation und Tagesklinik in Frutigen (v. l. n. r).: Nationalrat Ernst Wandfluh, Regierungsrat Pierre Alain Schnegg, Verwaltungsratspräsidentin Karin Ritschard Ugi und geschäftsführender Chefarzt Thomas Ihde. (Foto: Hans Rudolf Schneider)
