Obst und Gebäck als Dank für gute Laune
Text: Daniel Göring, Foto: Tino Kistler
Der 31. Mai 2025 war ein Prachtstag. Die Sonne schien von einem sattblauen Himmel, Quellwölkchen sorgten für sporadische weisse Farbtupfer, die Temperatur erreichte fast sommerliche Werte. Ideale Voraussetzungen für einen Gleitschirmflug. Andrej Trautmann schnallte sich den Rucksack mit dem Schirm an den Rücken und fuhr mit der Bahn auf den Niesen. Mit wenigen Handgriffen war der Gleitschirm ausgepackt und angelegt. Andrej zog ihn mit dem Wind auf, drehte sich in Startrichtung, warf einen Blick nach oben zum Schirm, machte einen Schritt nach vorne und hob ab. In Vorfreude darauf, durch die klare Berner Oberländer Luft schweben zu können.
Da bemerkte er, dass etwas nicht stimmte. Irgendwie hing er verdreht am Schirm. So konnte er den Flug nicht fortsetzen und entschloss sich, ihn abzubrechen. Die Hanglandung am Niesen erfolgte mit beachtlicher Geschwindigkeit und fiel deswegen unsanft aus. Andrej Trautmann blieb mit Schmerzen im Fuss und an der Schulter liegen. «Ich lag dort wie ein Häufchen Elend», blickt er zurück.

Überraschung gelungen: Obst und Gebäck für die Stationsmitarbeitenden des Spitals Interlaken.
Positive Stimmung ins Zimmer gebracht
Der Jammer wurde noch grösser, nachdem ihn die Rega per Helikopter ins Spital Interlaken geflogen hatte. Die Untersuchungen ergaben, dass sein Sprunggelenk angeknackst und die Schulter ausgekugelt war. Immerhin konnte er, nachdem die medizinischen Fachleute ihm die Schulter wieder eingerenkt und den Fuss eingegipst hatten, vorübergehend nach Hause. Eine Woche später fand eine Operation am Sprunggelenk statt, um die abgesplitterten Knochenteile zu entfernen.
«Wenn das Pflegepersonal gute Laune hat, überträgt sich das auf die Patientinnen und Patienten.»
Zwei Tage musste Andrej Trautmann danach im Spital bleiben. Zwei Tage, die ihm unendlich lange vorkamen, wie er erzählt. « Ich bin es nicht gewohnt, nichts tun zu können und ruhig liegen zu müssen.» Abwechslung boten ihm die Gespräche mit dem Zimmernachbarn und die Besuche des Pflegepersonals. Dieses sei nicht nur freundlich gewesen, sondern habe eine positive Stimmung ins Zimmer gebracht. Was ansteckend gewesen sei: «Wenn das Pflegepersonal gute Laune hat, überträgt sich das auf die Patientinnen und Patienten.»

Andrej und seiner Verlobten Melissa war es wichtig, sich bei den Mitarbeitenden für die fürsorgliche Pflege zu bedanken.
«Geben ist seliger als nehmen»
Beim Besuch eines Gottesdienstes einige Wochen nach dem Spitalaufenthalt hatte Andrej eine Eingebung. Die Predigt, die unter dem Motto «geben ist seliger als nehmen» stand, brachte ihn auf die Idee, dem Spitalpersonal dafür zu danken, dass es rund um die Uhr für die Patientinnen und Patienten da sei. Zusammen mit seiner Verlobten Melissa Penner entstand der Plan, auf den Stationen in Interlaken Obst und Gebäck zu verteilen. Eine Bewerbung beim Migros-Kulturprozent sorgte für noch mehr Schub. Der Grossverteiler unterstützte die Aktion als eines von 1000 Freiwilligen-Projekten in der Schweiz mit einem finanziellen Zustupf.
So konnten Andrej und Melissa auf sieben Stationen Schalen gefüllt mit Früchten, rohem Gemüse, Nüssen und Snacks vorbeibringen. Die Überraschung für die Mitarbeitenden des Spitals gelang auf der ganzen Front: «Die Leute waren erstaunt, dass wir so etwas machten, aber gleichzeitig enorm dankbar für unsere Geste», erklärt Andrej Trautmann. Die Freude, die spürbar gewesen sei, habe seine Verlobte und ihn darin bestärkt, das Richtige zu tun.

Die Dankesaktion wurde von Migros-Kulturprozent unterstützt.

Zur Person
Andrej Trautmann ist Naturwissenschaftler und arbeitet in der Qualitätskontrolle eines Pharma und Biotechnologieunternehmens. Der 32-jährige wohnt mit seiner Verlobten Melissa Penner in Spiez. In ihrer Freizeit sind beide gerne in den Bergen oder mit dem Gleitschirm in der Luft unterwegs.

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