Proktologie

Die Proktologie befasst sich mit den Leiden am After bzw. des Enddarms. Die Wahrscheinlichkeit während des Erwachsenenlebens irgendwann an einer proktologischen Erkrankung zu leiden ist sehr hoch. Viele dieser Leiden können mittels Anwendung lokaler Salben und/oder Zäpfchen bzw. Tabletten erfolgreich behandelt werden. Bei gewissen Leiden erreicht man mit der Chirurgie aber die beste und nachhaltigste Behebung der Beschwerden. In unserer chirurgischen Klinik bieten wir ein breites Spektrum an Diagnostik und chirurgischen Behandlungsmethoden von proktologischen Erkrankungen an. Unter anderem steht uns ein 3D-Ultraschallgerät für die Untersuchung des Enddarmes zur Verfügung, wo nötig, kann ergänzend auch eine Magnetresonanztomografie durchgeführt werden.  In unserer Proktologischen Sprechstunde werden die Patienten nach ausführlicher Untersuchung für das für sie optimale Therapieverfahren beraten.

Hämorrhoiden und Analprolaps

Bei den Hämorrhoiden handelt es sich um einen Teil der normalen Anatomie am After, genauer gesagt um ein Gefässgeflecht um den Analkanal, welches einige Prozente der Kontinenz ausmacht. Wenn die Hämorrhoiden Beschwerden machen, wie Blutungen, Jucken oder Stuhlschmieren in der Unterhose, redet man von einem Hämorrhoidalleiden. Eine besonders ausgeprägte Form des Hämorrhoidealleidens ist der sogenannte Analprolaps, mit Hervortreten der mehr oder weniger gesamten Analschleimhaut aus der Afteröffnung.

Die mit Abstand wichtigste therapeutische Massnahme bei proktologischen Leiden im Allgemeinen und Hämorrhoiden im Speziellen ist die ausreichende Stuhlregulation mit Ziel von regelmässig weichem geformtem Stuhlgang. Zusätzlich kann die lokale Anwendung von Crèmen und/oder Zäpfchen zusätzlich Linderung verschaffen. Bringen diese Massnahmen innerhalb von 4 Wochen nicht einen zufriendenstellenden, nachhaltigen Erfolg, so stehen uns verschiedene chirurgische Methoden zur Hämorrhoidenbehandlung zur Verfügung. Hier kommen insbesondere die Entfernung einzelner oder mehrerer Hämorhoidenzipfel als auch die Raffung des Analkanls mit dem Stapler zur Anwendung.

Analfissur

Die Analfissur ist ein Schleimhautriss am Afterausgang, dessen akute Form sehr schmerzhaft ist. Auch dieses proktologische Leiden wird in der Regel erfolgreich ohne Operation behandelt. Kann durch die üblichen nicht-chirurgischen Massnahmen keine ausreichende Symptomlinderung erreicht werden, so kann die Fissur mit Botulinum Toxin (Botox) unterspritzt oder ausgeschnitten werden. Selten ist auch ein Schnitt in den inneren Schliessmuskel und eventuell eine plastische Deckung der Fissur mit einem Hautlappen angezeigt, um eine ausreichende Symptomkontrolle zu erreichen.

Perianalabszess/-fistel

Die Entwicklung eines Abszesses in der Afterregion (Perianalabszess) bedarf meistens eines chirurgischen Eingriffs im Sinne einer Abszessspaltung und Drainage. Bei einem Teil der Perianalabszesse bleibt die dafür ursächliche Verbindung zwischen Analkanal und Abszesshöhle, auch Fistel genannt, bestehen. Das muss insbesondere dann vermutet werden, wenn der drainierte Abszess nicht wie erwartet abheilt. Die definitive Versorgung von Analfisteln geschieht chirurgisch in einem Zweiteingriff nach der Abszessdrainage resp. nach Einlage von Drainagefäden in den Fistelgang.

Komplexe Beckenbodenleiden

Der Beckenboden von Frauen und Männern ist sowohl anatomisch als auch funktionell ein komplexes Gebilde. Wir können in unserer spezialisierten Sprechstunde Patientinnen mit Leiden, die mehrere Aspekte des Beckenbodens (After, Scheide, Blase) betreffen, eine differenzierte Abklärung und Behandlung anbieten. Wir arbeiten hierbei eng mit weiteren spezialisierten Fachpersonen zusammen. Oft kann mit nicht-chirurgischen Massnahmen eine verbesserte bis gute Symptomkontrolle erreicht werden. Ist dies nicht der Fall, sollte ein chirurgischer Eingriff in Erwägung gezogen werden.

Ist das Hauptsymptom eine Stuhlinkontinenz, so kann bei verminderter Schliessmuskelfunktion die Implantation eines Schrittmachers (sakrale Neuromodulation, SNS) diskutiert werden. Dieser Eingriff wird in lokaler Betäubung ambulant durchgeführt. Nach einer zweiwöchigen Testphase wird, bei bestätigter Wirksamkeit, das definitive Gerät implantiert.

Zu den komplexen Beckenbodenleiden gehört auch das Obstruktive Defäkationssyndrom, kurz ODS, wobei die Betroffenen unter chronischer Verstopfung leiden und es typischerweise zu (wiederholtem) Stuhldrang ohne entsprechende Stuhlentleerung kommt. Auch dieses Syndrom bedarf einer eingehenden Abklärung, oft auch unter Einbezug von weiteren spezialisierten Fachpersonen. Falls die nicht-chirurgische Therapie keinen zufriedenstellenden Erfolg zeigt, kann eine auf die Ursache des Leidens abgestimmte Chirurgie diskutiert werden.