Hernien

In der Bauchchirurgie bedeutet die Hernie, zu deutsch Bruch, eine Ausstülpung von Eingeweiden durch eine angeborene oder erworbene Lücke (Bruchpforte) in der tragenden Schicht der Bauchdecke oder des Zwerchfells (Faszie) in das angrenzende Gewebe. Der Bruchsack kann mit Bruchinhalt (Bauchorgane und/oder Fett) gefüllt sein und wird in der Regel vom Bauchfell (Peritoneum) gebildet.

Es gibt verschiedene anatomische Schwachstellen im Körper, wo Gefässe und/oder Organe aus einer Körperhöhle austreten. So hat zum Beispiel das Zwerchfell eine Lücke, wo die Hauptschlagader und die Speiseröhre vom Brustraum in den Bauchraum übergehen. Solche Lücken können sich mit der Zeit aufweiten und somit zu einer Hernie führen. Verschiedene Risikofaktoren begünstigen die Entwicklung einer solchen Hernie. Dazu gehören:

  • Alter (und die damit einhergehende zunehmende Gewebeschwäche)
  • Erhöhter Druck in der Bauchhöhle (z.B. durch Übergewicht, schwere körperliche Arbeit bzw. Heben schwerer Lasten, die Notwendigkeit zu Pressen wie z.B. bei Verstopfungstendenz oder erschwertem Wasserlassen bei Prostataerkrankungen, chronischer Husten)
  • Medikamente oder Substanzen, welche das Gewebe schwächen können (z.B. Cortison, Nikotin)

Wir bieten das gesamte Spektrum der Hernienchirurgie an. Diese führen wir grösstenteils minimalinvasiv (endoskopisch/laparoskopisch) durch. Die stetige Kontrolle unserer Qualität in der Hernienversorgung ist uns wichtig. Wir nehmen daher an der Qualitätskontrolle durch die Deutsche Herniengesellschaft teil und haben von dieser das Güte-Siegel «Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie» verliehen bekommen.

Übersicht der häufigsten Hernien und deren Behandlungen

Leisten-/Schenkelbruch

Die häufigste Form der Bauchwandhernie ist der Leistenbruch, wobei hier zwischen der Inguinal- und der Femoralhernie (Schenkelbruch) unterschieden wird. Dieser Unterschied ist insofern wichtig, dass eine zum Zeitpunkt der Diagnosestellung nicht oder wenig symptomatische Inguinalhernie nicht unbedingt operiert werden muss. Es besteht hier ein gewisses, jedoch statistisch sehr geringes Risiko einer Einklemmung (Inkarzeration) von Bauchinhalt (z.B. Fett und/oder Darm), was zu einer Notfallsituation mit möglicher Operation führen kann. Bei der Femoralhernie ist das Einklemmungsrisiko deutlich höher, daher ist hier bei Diagnosestellung eine zeitnahe Operation angezeigt.

Es gibt verschiedene chirurgische Verfahren, mit welchen man einen Leistenbruch behandeln kann. Wir bieten grundsätzlich minimal-invasive (Kamera- oder Schlüsselloch-) Verfahren an aber auch offene Operationen mit oder ohne Einlage eines Kunststoffnetzes an. In der chirurgischen Sprechstunde werden die Patienten ausführlich über die Operation aufgeklärt und mit ihnen das für sie optimale Verfahren bestimmt.

Die einseitige Operation der Leisten- und Schenkelhernie wird bei ansonsten gesunden Patenten ambulant durchgeführt, d.h. man tritt am Operationstag ein und geht einige Stunden nach Operationsende wieder nach Hause. Aufgrund unserer schonenden, minimalinvasiven Verfahren ist die Mobilität des Patienten schnell wieder hergestellt.

 

Bauchwand-/Nabelbruch

Der häufigste Bauchwandbruch ist der Nabelbruch (Umbilicalhernie). Oft merken die Betroffenen keine (relevanten) Symptome, weshalb er nicht selten als Zufallsbefund diagnostiziert wird. Die Umbilicalhernie können wir sowohl offen wie auch mittels Kameratechnik operieren. Zudem kommen auch hier Techniken sowohl der Direktnaht als auch der Implantation von die Hernienplastik vestärkenden Netzen zum Einsatz. Welches Verfahren angewendet wird, hängt von der Herniengrösse, vom Wunsch des Patienten und dem Vorliegen möglicher, die Wundheilung beeinflussender Faktoren ab.

Rektusdiastase

Die Rektusdiastase bezeichnet ein Auseinanderweichen der vorderen, geraden Bauchmuskulatur, meist nach Schwangerschaften oder bei Übergewicht, es resultiert eine vertikale Lücke in der Mitte der vorderen Bauchwand. Dies hat oftmals keinen Krankheitswert, es können aber auch Beschwerden durch eine mangelnde Statik, respektive Funktion der Bauchwand auftreten, bis zu chronischen Abdominal- und Rückenbeschwerden. Häufig ist die Rektusdiastase noch mit einem Nabelbruch vergesellschaftet. In einem solchen Fall können wir sowohl Nabelbruch wie auch Rektusdiastase in einem minimalinvasiven Verfahren mit Einlage eines Kunstoffnetzes und Raffung der sogenannten Rektusscheide versorgen («extended TEP»).

Narbenbruch

Beim Narbenbruch entsteht die Bruchlücke im Bereich einer Narbe nach Bauchoperationen. Diese Art von Brüchen kann z.T. sehr gross werden und die Betroffenen zuweilen erheblich beeinträchtigen. Narbenhernien werden in der Regel immer mit einem Kunststoffnetz versorgt, zum einen wegen der meist relevanten Grösse, zum anderen weil hier ja per Definition die Bauchdecke ohne Kunststoffnetz ungenügend verheilt ist. Wir führen die Operationen bei Narbenbrüchen grösstenteils minimalinvasiv durch, hierbei mit neuesten Methoden („extended TEP“, „endoskopische Komponentenseparation“). Teilweise kann es auch notwendig sein, die alte Bauchnarbe für diesen Eingriff nochmals zu eröffnen.

Parastomale Hernie (Bruch um einen künstlichen Darmausgang)

Sehr häufig entstehen Hernien im Bereich eines künstlichen Darmausgangs (Stoma), vor allem wenn letzterer über Monate oder Jahre bestehen bleibt. Diese Brüche werden meist beim Zurückverlagern (manchmal auch unter Erhaltung) des Stomas, in der Regel mit einem Kunststoffnetz als Verstärkung versorgt. Dies bieten wir sowohl im Schlüssellochverfahren, aber auch als offene Technik an, je nachdem, was die Umstände erfordern.

Zwerchfellhernie und saures Aufstossen (Reflux)

Brüche auf Zwerchfellhöhe, im Bereich des Übertritts von der Speiseröhre in den Magen, sind relativ häufig. Kleine Hernien und solche, die keine Symptome machen, müssen nicht chirurgisch behandelt werden. Bei Patienten, mit Symptomen der Einklemmung des Magens auf Zwerchfellhöhe, sowie denjenigen bei welchen trotz ausreichender medikamentöser Behandlung mit Säureblockern und allgemeiner Massnahmen wie Hochstellen des Kopfendes des Bettes keine zufriedenstellende Symptomkontrolle erreicht wird, bringt eine chirurgische Sanierung der Zwerchfellhernie langfristig Linderung. Auch Patienten welche auf die lebenslange Einnahme von Säurehemmern verzichten wollen, können von diesem Eingriff profitieren.

Die Operation der Zwerchfellhernie führen wir grundsätzlich in Schlüssellochtechnik durch, auch wenn es sich um die Wiederholung eines solchen Eingriffs bei einem Patienten handelt. Die Art des Eingriffs passen wir individuell dem einzelnen Patienten an, abhängig von der Bruchgrösse, den Symptomen des Patienten und auch der Resultate der Abklärungen, welche vor einer solchen Operation durchgeführt werden.