Alterserkrankungen (Demenz)

Was ist eine Demenz?

Demenz bezeichnet ein Krankheitsbild, das meist als Folge einer chronisch fortschreitenden Erkrankung des Gehirns auftritt. Demenz äussert sich durch eine Störung mehrerer Hirnfunktionsbereiche wie Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis, Exekutivfunktionen (Planen, abstraktes Denken, Einsatz von Strategien, Problemlösung), Sprache, Wahrnehmungsleistungen und Fähigkeit zur sozialen Interaktion.

Die von der Demenzerkrankung bedingten Störungen schränken die Betroffenen in ihren Aktivitäten des täglichen Lebens und/oder des Berufs ein.

Welche Demenzformen gibt es?

Demenz kann zahlreiche Ursachen haben. Einige Demenzformen werden als reversibel bezeichnet: Sie können durch eine geeignete Behandlung teilweise oder ganz geheilt werden. Dies ist etwa bei Stoffwechselkrankheiten, z.B. einer Schilddrüsenunterfunktion oder bei einem Vitamin-B12-Mangel der Fall. Bei irreversiblen, also nicht rückgängig zu machenden Demenzformen ist das Gehirn direkt erkrankt.
Die Alzheimer-Krankheit und die vaskuläre Demenz zählen zu den häufigsten irreversiblen Demenzformen. Eher selten sind die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporalen Demenzen.

Die Alzheimer-Erkrankung
Die Alzheimer-Krankheit ist eine hirnorganische Krankheit. Sie ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer (1864 - 1915) benannt, der die Krankheit erstmals im Jahre 1906 wissenschaftlich beschrieben hat. Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit ist das Alter. Nur in seltenen Fällen sind die Betroffenen jünger als 60 Jahre. Kennzeichnend für die Erkrankung ist der langsam fortschreitende Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten.
Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) festzustellen.
Zum Krankheitsbild gehören Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit. Diese Störungen sind bei den Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt und nehmen im Verlauf der Erkrankung zu.
Die Patienten sind mit der Zeit zunehmend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Die Anforderungen an Betreuung, Pflege, Therapie und ärztliche Behandlung sind dabei jeweils sehr unterschiedlich, denn Alzheimer-Kranke sind keine einheitliche Gruppe sondern Individuen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen, Kompetenzen und Defiziten, die in unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Situationen leben.

Die vaskuläre Demenz
Bei vaskulären Demenzen kommt es in der Folge von Durchblutungsstörungen des Gehirns zu einem Absterben von Nervenzellen. Vom Ausmaß der Durchblutungsstörung ist abhängig, wie ausgeprägt die Demenz ist.
Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor. Der Beginn der vaskulären Demenz vollzieht sich oft schleichend, das Fortschreiten allmählich - also schwer von der Alzheimer-Krankheit zu unterscheiden. Allerdings sind die Symptome anders. Im Vordergrund stehen nicht Gedächtnisstörungen, sondern Verlangsamung, Denkschwierigkeiten oder Stimmungslabilität.
Eine seltenere Form der vaskulären Demenz ist die Multi-Infarkt-Demenz, bei der das Gehirn durch viele kleine Schlaganfälle geschädigt wird. Die Multi-Infarkt-Demenz beginnt meist plötzlich und schreitet in der Regel stufenweise fort.
Risikofaktoren sind u.a. Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), ein hoher Cholesterinspiegel (Blutfettwerte), Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen.

Die Lewy-Body-Demenz (LBD)
Die Lewy-Körperchen-Demenz ähnelt der Alzheimer-Krankheit sehr stark, wodurch sie schwer voneinander zu unterscheiden sind. Es ist deshalb nicht leicht zu klären, in welchem Umfang Mischformen der beiden Demenzen vorkommen.
Kennzeichnend für eine Lewy-Körperchen-Demenz sind:

  • starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit und der Aufmerksamkeit
  • optische Halluzinationen, die oft sehr detailreich sind, und
  • leichte Parkinsonsymptome (unwillkürliches Zittern der Hände, Steifigkeit der Bewegungen).
  • Ausserdem kommt es häufig zu Stürzen oder kurzzeitiger Bewusstlosigkeit.

Es müssen allerdings nicht alle Symptome auftreten. Besonders gut scheinen die Patienten auf Behandlung mit modernen Antidementiva, mit Acetylcholinesterase-Hemmern, anzusprechen. Bei der Behandlung mit Neuroleptika ist dagegen Vorsicht geboten, weil besonders diese Patienten darauf überempfindlich reagieren.

Die Frontotemporale Demenz (FTD)
Die Frontotemporale Demenz (FTD) ist eine Krankheit, bei der der Abbau von Nervenzellen zunächst im Stirn- und Schläfenbereich (Fronto-Temporal-Lappen) des Gehirns stattfindet. Von hier aus werden u.a. Emotionen und Sozialverhalten kontrolliert.
Frontotemporale Demenzen treten normalerweise früher auf als die Alzheimer-Krankheit, meistens schon zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr oder noch früher. Die Spanne ist sehr groß (zwischen 20 und 85 Jahre).
Bei fast allen Patienten fallen zu Beginn der Erkrankung Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens auf. Dazu zählen insbesondere Aggressivität, Taktlosigkeit, maßloses Essen aber auch Teilnahmslosigkeit. Im Verlauf der Erkrankung entwickeln sich Störungen der Sprache, die sich in Wortfindungsstörungen, Störungen des Benennens, Sprachverständnisstörungen und fehlendem Mitteilungsbedürfnis bis hin zum völligen Verstummen äußern. Im weiteren Verlauf kommt es zur Beeinträchtigung des Gedächtnisses, die lange Zeit aber nicht so stark ausgeprägt ist wie bei der Alzheimer-Krankheit.
Die Diagnostik der Frontotemporalen Demenz kann schwierig sein. Weil zu Beginn der Erkrankung Veränderungen der Persönlichkeit und des sozialen Verhaltens im Vordergrund stehen, kommt es nicht selten zu Verwechslungen mit psychischen Störungen wie Depression, Burn-out-Syndrom, Schizophrenie oder Manie.  Die Betroffenen zeigen in der Regel kaum Krankheitseinsicht.

Wie stellt man eine Demenz fest?

Der Hausarzt ist in der Regel die erste Anlaufstelle. In einer zweiten Phase vertiefter medizinischer und neuropsychologischer Abklärungen wird der Hausarzt die Patientin oder den Patienten an eine Memory Clinic überweisen. Die Diagnosestellung ist komplex und erfordert Zeit. Je früher aber die Diagnose gesichert wird, desto besser. Dann können geeignete Behandlungen in die Wege geleitet werden, und die betroffene Person und ihre Angehörigen die Zukunft planen, nötige Massnahmen treffen und Hilfe organisieren. Manchmal wird bei der Abklärung deutlich, dass es sich um eine normale Hirnalterung handelt und nicht um Demenz.

Wie wird eine Demenz behandelt?

Gewisse Ursachen von Hirnleistungsstörungen können behandelt oder sogar geheilt werden (z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Vitamin-B12-Mangel). Für die häufigsten Demenzerkrankungen wie Alzheimer und vaskuläre Demenz hingegen verfügen wir bis heute über keine Heilungsmöglichkeiten. Für die Alzheimerkrankheit gibt es jedoch medikamentöse Therapien, die das Fortschreiten der Erkrankung für eine gewisse Zeit verzögern und die Symptome mildern können, vor allem auch beginnende Störungen des Stimmungs- und des Sozialverhaltens. Weiterhin ist es sinnvoll, verschiedene, auch nichtmedikamentöse Therapien einzubeziehen, die einen günstigen Einfluss auf die Erhaltung der Alltagsfähigkeiten haben und zu einer möglichst grossen Selbstständigkeit und Zufriedenheit der Erkrankten beitragen. Angehörigen und dem Umfeld der Betroffenen Unterstützung zukommen zu lassen, ist ein ebenso wichtiger Faktor, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu erhalten und Überlastung der unmittelbar Betreuenden zu vermeiden.