Arbeitsintensive Wintermonate

Viele Notfälle, mehr als eine Verdoppelung der Grippefälle und eine Zunahme der komplexen Behandlungen: Das Personal in den Spitälern Interlaken und Frutigen hatte im Verlauf des bisherigen Winters alle Hände voll zu tun.

Neben den klassischen Sommermonaten sind jeweils Januar, Februar und März die drei arbeitsintensivsten Monate in den beiden Akutbetrieben der Spitäler fmi AG. Vom Haslital über die Jungfrauregion bis Adelboden tummeln sich Tausende von Wintersportlern auf Pisten und Schlittelwegen oder suchen sonstwie im Freien Erholung. Für einige endet der Tag leider im Spital. «Von den allein diesen Februar verzeichneten knapp 1300 Notfall-Konsultationen waren nahezu die Hälfte Unfall-Patienten», sagt Dr. med. Gregor Siegel, administrativer Leiter des Alpinen Notfallzentrums am Spital Interlaken und Chefarzt Chirurgie. Dabei handelt es sich vorwiegend um Skifahrer, Snowboarder und Schlittler.

Massierung an Spitzentagen
Wie die aktuelle Zwischenauswertung der Spitäler fmi AG zum bisherigen Winterverlauf zeigt, ist die Anzahl der Notfalleinweisungen an sich nicht ungewöhnlich hoch und liegt im Rahmen des Vorjahrs. Speziell ist jedoch eine verstärkte Massierung. Von den am Spital Interlaken deutlich über 120 Anflügen im Februar wurden allein an einem Wochenende 22 Helikopterlandungen gezählt. Ähnlich verhielt sich die Situation am Spital Frutigen. Auch hier ist das Notfall-Aufkommen bisher vergleichbar mit jenem von 2017, wetterbedingt gab es jedoch Spitzentage mit sehr vielen Einweisungen, beispielsweise deren 28 am vergangenen 6. Januar oder deren 25 am 13. Februar. Januar und Februar zusammengezählt wurden im Spital Frutigen rund 860 Notfälle behandelt. Im ganzen Jahr 2017 waren es 7‘777, 355 Fälle mehr als 2016.

«Logistische Meisterleistung»
Organisatorisch ist dies nicht nur für die Retter aus der Luft und auf der Strasse herausfordernd, sondern auch für das Spitalpersonal. «Neben Verlegungen von uns ans städtische Zentrumsspital oder Rückverlegungen von dort zu uns und den vielen Notfällen mussten auch die geplanten Eingriffe wie vorgesehen abgewickelt werden», sagt Flavia Lüthi-Ferrari, Leiterin Pflege der Spitäler fmi AG. «Bei fast ständig vollem Haus grenzt dies an ein logistisches Meisterwerk». Um den grossen Arbeitsaufwand in gewohnt hoher Qualität zu bewerkstelligen, sind organisatorisches Geschick, Flexibilität und hohe Einsatzmotivation erforderlich. «Zum Glück verfügen wir an unseren Standorten über hervorragende Fachleute, die bereit und in der Lage sind, diese sehr hohen Arbeitsbelastungen mitzutragen», sagt Flavia Lüthi-Ferrari. Gemeint sind damit nicht nur die Ärzte und die Pflegenden, sondern alle in die Behandlungskette involvierten Akteure – von der Bettendisposition, der Bildgebung übers Labor und die OP-Teams, die Hotellerie bis hin zur therapeutischen Nachsorge und der Patientenadministration.

Mehr Grippefälle
In überdurchschnittlichem Mass gefordert war und ist zudem die Innere Medizin. Die diesen Winter sehr aggressiv verlaufende Grippewelle führte insbesondere in der zweiten Hälfte des Februars sowohl im Spital Interlaken als auch im Spital Frutigen zu ungewöhnlich vielen Hospitalisationen. Im Spital Interlaken etwa wurden im Vorjahresvergleich mit bisher knapp 40 Patienten mehr als doppelt so viele Patienten behandelt, vor allem Kranke mit Influenza des Typs B. Viele von ihnen mussten isoliert werden. «Das sind natürlich erschwerte Arbeitsbedingungen, die zusätzlich zum hohen Patientenaufkommen im Winter bewältigt werden müssen», sagt Flavia Lüthi-Ferrari. Der in den letzten Jahren von der Spitalführung aktiv geförderte Ausbau und die Professionalisierung des Fachbereichs Spitalhygiene hätten sich nun sehr bewährt. Hierdurch konnten Übertragungen innerhalb der Spitäler vermieden werden. Die Betreuung schwer Grippekranker setzt – bis hin auf die Intensivpflegestation – eine Reihe spezieller Massnahmen voraus, die in regelmässigen, dem aktuellen Wissensstand angepassten Schulungen geübt werden.

Zur Prävention gehört auch die Sensibilisierung von Angehörigen und Besuchern. Zahlreiche grossformatige Plakate weisen in den Spitälern Interlaken und Frutigen auf die herrschende Grippe hin. Zudem gibt es neben mobilen Händedesinfektionsanlagen und der Mundschutz-Abgabe Verhaltens-Anweisungen für Angehörige und andere Besucher. «Zum Glück ebbt die Grippe langsam ab», sagt fmi-Pflegeleiterin Flavia Lüthi-Ferrari. Sie hofft, dass die Warn-Schilder bald wieder abgehängt werden können. Die Arbeit wird deswegen allerdings nur bedingt weniger. Die Sportferien sind zwar durch, aber noch dauert die Wintersaison an. Das kommende Wochenende wird noch nicht das letzte des Winters sein, an dem die Spital-Teams einmal mehr gefordert sind.

Viele komplexe Fälle
Gefordert sind die Spitalfachleute zudem durch ein anderes Phänomen: die merkliche Zunahme der Multimorbidität. Damit gemeint ist die Zunahme von Patienten, bei denen gleichzeitig mehrere Krankheiten bestehen. Die spezialisierte Akutgeriatrie der Spitäler fmi AG ist grossmehrheitlich ausgelastet. Die von einem interdisziplinären Team erbrachte Behandlung ist äusserst komplex, erfordert ein spezielles Vorgehen und ist daher aufwändig. «Bei mehrfach erkrankten Patienten wird auch deren soziales Umfeld, zum Beispiel das ganzes Familiensystem, einbezogen. Das erfordert viel Zeit und Fingerspitzengefühl», erklärt Pflegeleiterin Flavia Lüthi-Ferrari. Zum Teil mussten auch Sitzwachen organisiert werden. Die Behandlungskomplexität, der so genannte Patient Clinical Complexity Level (PCCL), wird in einer Skala von 1 bis 4 ausgedrückt. Ende 2017 lag dieser Wert bei rund einem Viertel der bei der fmi AG behandelten Patienten bei 3 und 4. Flavia Lüthi-Ferrari geht davon aus, dass die Zahl dieser Komplexfälle aufgrund der demographischen Entwicklung weiter ansteigen wird. «Die Arbeit wird uns ganz bestimmt nicht ausgehen».