Gutes Jahr trotz schwierigem Umfeld

Weniger stationäre, dafür mehr ambulante Fälle: Die seit Anfang 2019 geltenden Listen mit primär am-bulant durchzuführenden Eingriffen haben das Geschäftsjahr 2019 der Spitäler fmi AG geprägt. Doch trotz gesunkener Vergütungen erwirtschaftete die Oberländer Spitalgesellschaft in der Konzernrechnung einen Gewinn von rund 1.5 Mio. Franken. Die Generalversammlung nahm zustimmend Kenntnis von diesem erfreulichen Ergebnis und bestätigte die Mitglieder des Verwaltungsrats. 

In den Akutbetrieben der Spitäler fmi AG – den Spitälern Interlaken und Frutigen – wurden 2019 insgesamt 64‘816 Patientinnen und Patienten behandelt. Das sind rund 2000 mehr als im Jahr zuvor. Dabei ging die Zahl der stationären Fälle um rund 650 zurück. Im Gegenzug wurden mit rund 55‘000 ambulanten Patientenkontakten rund 2700 mehr als 2018 verzeichnet. Rund 15% aller im Berichtsjahr behandelten Patientinnen und Patienten waren Tages- und Urlaubsgäste. Die Zahl der Geburten nahm im Vergleich mit dem Vorjahr etwas ab. Sie lag per Ende 2019 bei 592 (Vorjahr: 618), was gemessen an der Population im Einzugsgebiet der Oberländer Spi-talgruppe dem langjährigen Mittel entspricht. 

Finanzen weiterhin gesund
Seit dem 1. Januar 2019 vergütet die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) sechs Gruppen von operativen Eingriffen nur noch dann, wenn sie ambulant vorgenommen werden. Dass damit weniger stationäre bzw. mehr ambulante Behandlungen durchgeführt werden, war voraussehbar. Weniger abschätzbar war, wie sich die Verschiebung letztlich auswirken wird. Die konstruktive Annahme der Herausforderung und die Vorarbeiten zahlten sich für die fmi AG aus: Bei einem Umsatz von rund 165 Mio. Franken resultiert zum Jahresende in der Konzern-Erfolgsrechnung ein Gewinn von rund 1.5 Mio. Franken. Dies entspricht einer Halbierung des Vorjah-resergebnisses, ist aber in Anbetracht der speziellen Ausgangslage deutlich mehr, als erwartet worden war. Dank der positiven Entwicklung kann die Spitäler fmi AG auch künftig ihr Angebot aktualisieren, in die Weiter-bildung der rund 1450 Mitarbeitenden und in nötige Infrastruktur investieren sowie als Arbeitgeberin weiterhin attraktiv bleiben. Dies ist auch 2019 gelungen: alle sich ergebenden Vakanzen konnten mit ausgezeichneten Fachkräften wiederbesetzt und verschiedene medizinische Fachbereiche mit weiteren Spezialisten verstärkt werden, sodass der Bevölkerung im Berner Oberland weiterhin eine qualitativ hochstehende medizinische Ver-sorgung zur Verfügung steht. Apropos Qualität: Vier Jahre nach der Zertifizierung «Recognised for Excellence» wurde die Spitäler fmi AG von der European Foundation for Quality Management (EFQM) erneut ausgezeichnet. Im Überprüfungs-Assessment in den Spitälern Interlaken und Frutigen sowie in den Langzeitinstitutionen Senio-renpark Weissenau Unterseen und Pflegeheim Frutigland wurde das sehr gute Ergebnis «Anerkennung für Excellence» mit einem Reifegrad von 4 von 5 möglichen Sternen erzielt.

Weiterentwicklung des Angebots und warten auf Baubewilligungen
Die Walk-in-Clinic am Bahnhof Interlaken West wurde am 1. Mai eröffnet. Sie dient Einheimischen ohne Haus-arzt und Urlaubern als niederschwellige Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen. Die Praxis wurde sehr gut aufgenommen und hat sich in der regionalen Versorgung etabliert. Auch die im Juni 2019 aufgrund eines Leis-tungsvertrags mit dem Kanton eröffnete Psychiatriestation schliesst eine Lücke in der bislang ambu-lant/teilstationär ausgerichteten Behandlungspalette und erweitert das Angebot im Berner Oberland. Schliesslich konnten zum Ende des Jahres nach rund zwölfmonatiger Bauzeit die umgebauten und erweiterten Räumlichkei-ten der Notfallstation Frutigen eingeweiht werden. Damit ist das Spital Frutigen für das wachsende Patienten-aufkommen gerüstet. Neu eingerichtet wurde zudem die Physiotherapie am Standort Frutigen. Für die Medizini-sche Trainingstherapie stehen seither modernste, digital vernetzte Trainingsgeräte zur Verfügung.
Die Arbeiten für die auf dem Spitalcampus Interlaken geplanten Neu- und Ersatzbauten, die Profile stehen seit Sommer 2018, konnten jedoch weiterhin nicht aufgenommen werden. Der Baustart wird nach wie vor durch ei-nen Einsprecher blockiert. Wann ein erster Spatenstich erfolgen kann, ist leider noch unklar.

Zusammenarbeit vertieft
Die beiden fmi-Langzeitinstitutionen, das Pflegeheim Frutigland am Spital Frutigen mit der Aussenstation Chalet Stampach in Aeschi sowie der Seniorenpark Weissenau Unterseen, haben 2019 die bilaterale Zusammenarbeit vorangetrieben und sind zahlreiche Projekte gemeinsam angegangen. Dazu zählen etwa die Integration der bis-herigen elektronischen Pflegedokumentation ins fmi-System, die Zusammenarbeit im Qualitätsmanagement
oder die Bewohner- und Angehörigenbefragungen. Dabei wurden beide Häuser von der terzStiftung mit dem Label «Hohe Zufriedenheit» ausgezeichnet. Zusammengeführt wurde auch die Berufsbildung.

Verwaltungsrat bestätigt
Die diesjährige Generalversammlung der Spitäler fmi AG – Alleinaktionär ist der Kanton Bern, vertreten durch die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) stimmte sowohl der handelsrechtlichen Jahresrech-nung, der Konzernrechnung nach Swiss GAAP FER als auch der Verwendung des Bilanzergebnisses und dem Geschäftsbericht 2018 zu. Die Mitglieder des Verwaltungsrats, Prof. Dr. Robert Zaugg (Präsident, Interlaken), Dr. med. Martin Kistler (Vizepräsident, Leissigen), Alice Morosoli (Frutigen), Carl Schiesser (Meiringen) und Dr. iur. Ursula Widmer (Bern) wurden für eine weitere Amtsdauer von einem Jahr wiedergewählt. Für ein weiteres Jahr bestätigt wurde zudem die Revisionsstelle PricewaterhouseCoopers. GSI-Vertreter Adrian Zysset dankte den fmi-Führungsgremien im Namen des Aktionärs und insbesondere im Namen des Regierungsrats für die erfolgreiche Arbeit und Führung der Spitalgruppe und die gute Zusammenarbeit.

Geschäftsbericht 2019