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Tipps für den Notfall
Aufmerksamkeitsdefizit-/(Hyperaktivitätsstörung) (ADHS) im Erwachsenenalter (früher POS genannt)
Bis Ende der 1990er Jahre galt die ADHS ausschliesslich als eine kinder- und jugendpsychiatrische Erkrankung (6-9 % aller Kinder im Einschulalter sind betroffen). Spätere Studien zeigten jedoch, dass bei ca. 60 bis 70 % der betroffenen Kinder und Jugendlichen die Symptome, jedoch zum Teil in abgeschwächter Form, auch noch im Erwachsenenalter vorhanden sind. Da die Erkrankung insgesamt sehr komplex ist, fällt die Diagnosestellung manchmal sogar Fachleuten schwer. Es kommt nicht selten vor, dass die ADHS übersehen resp. mit einer anderen psychischen Erkrankung verwechselt wird. Wie bereits der Name ADHS vermuten lässt, finden sich Schwierigkeiten im Bereich der Aufmerksamkeit. Das heisst, die Betroffenen können sich nicht gut konzentrieren, sind schnell ablenkbar, teils träumerisch und vergesslich. Mit Hyperaktivitätsstörung ist gemeint, dass die Betroffenen ständig in Bewegung sind (Zappelphilipp). Es kommt aber auch vor, dass die Hyperaktivität ganz fehlt. Dies insbesondere beim weiblichen Geschlecht; die Mädchen fallen dann in der Schule selten auf, da sie häufig äusserlich ruhig, eher scheu und sogenannte "Träumerchen" sind. Beim Erwachsenen kann die äussere Hyperaktivität oftmals nur noch an diskreten Zeichen wie zum Beispiel ständiges Drehen von einzelnen Haarsträhnen oder Wippen mit den Füssen festgestellt werden. Dafür verspürt der Erwachsene meistens ein Gefühl der inneren Unruhe, Anspannung und Nervosität. Weiterhin gibt es jedoch noch einige andere sehr wichtige Symptome, die im Namen ADHS nicht vorkommen. So zeigen sich bei den meisten Betroffenen ganz charakteristische Stimmungsschwankungen. Es handelt sich hierbei um einen sehr raschen Wechsel von "Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt". Auslöser sind dabei fast immer äussere Ereignisse. Typisch sind zudem plötzliche Wutausbrüche, die sich zum Beispiel in Türen "schletzen" oder herumschreien äussert. Es kann auch sein, dass die Betroffenen immer etwas gereizt sind. Im Weiteren sind die meisten eher ungeduldig, unterbrechen Gespräche und reden dazwischen. Ein weiterer Punkt, der vielen zu schaffen macht, sind die Schwierigkeiten in Zusammenhang mit der Arbeit, der Haushaltsführung oder anderen Aufgaben. Diese werden oftmals "auf die lange Bank" geschoben resp. "auf den letzten Drücker" erledigt oder gar nicht zu Ende gebracht, oder es wird planlos von einer Aufgabe zur nächsten gewechselt. Besonders typisch ist auch das Interesse für Neues, jedoch gepaart mit rascher Langeweile (beispielsweise viele Sportarten anfangen, aber bei keiner durchhalten). Viele Betroffene leiden unter Organisationsschwierigkeiten und Chaos in den Schränken, in der Wohnung, auf dem Schreibtisch etc. Neben diesen "negativen" Symptomen bestehen jedoch durchaus positive Aspekte. Viele ADHS-ler sind feinfühlig, empathisch, medial begabt (6. Sinn) und verfügen nicht selten über einen hohen Intelligenzquotienten (IQ) sowie über eine rasche Auffassungsgabe und über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
ADHS kommen häufig kombiniert mit anderen psychischen Erkrankungen vor, insbesondere mit Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen und Suchterkrankungen (u.a. Alkohol, Cannabis, Kokain, Nikotin). Viele Betroffene trinken sehr viel Kaffee, teilweise bis zu 10 Tassen pro Tag. Diese zusätzlichen Erkrankungen sind oftmals Folge der anstrengenden Lebenssituation mit ADHS. Auch die teils jahrelangen Abwertungen wie "Du bist dumm, reiss Dich zusammen" wirken sich sehr negativ aus; das Selbstbewusstsein ist im Allgemeinen eher gering. Beim Konsum der verschiedenen Substanzen kann es sich jedoch auch um einen Versuch der Selbstmedikation handeln. Tatsächlich wirken diese Stoffe in einer ähnlichen Weise wie die entsprechenden Medikamente, machen aber süchtig und sind schädlich für den Körper.
In unserem Ambulatorium bieten wir neben einer umfassenden diagnostischen Abklärung verschiedene Behandlungsmöglichkeiten an. Dies kann eine rein psychotherapeutische Behandlung, zum Beispiel im Sinne eines Coachings sein oder eine kombinierte Therapie mit Medikamenten.
