Schlafstörungen

Was ist eine Schlafstörung?

Die meisten Menschen hatten in Zeiten besonderer Belastung (Trennung, Prüfung, Arbeitswechsel usw.) schon einmal kurzzeitig Schlafprobleme. Wenn die Belastung vorüber ist, jedoch der veränderte Schlaf über längere Zeit anhält, spricht man von einer Schlafstörung. Betroffene leiden an Einschlafproblemen oder Durchschlafproblemen, sie empfinden ihren Schlaf weniger erholsam und ihre Tagesbefindlichkeit ist oftmals beeinträchtigt. Sie sorgen sich zunehmend um ihre Schlafqualität, schonen sich während des Tages und versuchen alles, um endlich wieder richtig schlafen zu können. Der Schlaf wird ein immer bestimmenderer Faktor in der Lebensgestaltung, das Schlafvermögen jedoch trotz intensiver Bemühungen immer schlechter und unvorhersehbarer. Das Vertrauen in die eigene Schlaffähigkeit geht verloren. Eventuell helfen Schlafmittel kurzfristig, beim Versuch diese abzusetzen verschlechtert sich die Situation oftmals erneut. Neben verkürztem und weniger erholsamem Schlaf (Insomnie), gibt es zudem Schlafstörungen mit stark erhöhtem Schlafbedürfnis (Hypersomnie). Depressionen können sich zum Beispiel primär über unklare Schmerzen, Müdigkeit, Schläfrigkeit oder einen veränderten Schlafrhythmus äussern. Ausserdem können Alpträume, nächtliche Bewegungsstörungen (Restless-leg-Syndrom) oder Verhaltensauffälligkeiten den Schlaf stören (Parasomnie). Nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) verursachen Schlafunterbrechungen und können zu einer erhöhten Tagesmüdigkeit führen. Menschen mit Schichtarbeit erleben oftmals eine massive Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Zuletzt kann es durch Koffein, Teein, Nikotin oder Medikamente (direkte Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen) zu einem veränderten Schlafmuster kommen. Je länger Schlafprobleme anhalten, desto häufiger kommt es ausserdem zur Entwicklung einer Schlafwahrnehmungsstörung, d.h. oberflächliche Schlafstadien werden nicht mehr als Schlaf, sondern als Wachzustand fehlinterpretiert.

Zusammenfassend unterscheidet man organische Schlafstörungen und nicht-organische Schlafstörungen. Insgesamt gibt es über 80 verschiedene Formen von Schlafstörungen. Man geht davon aus, dass 15 bis 20% der Schweizerinnen und Schweizer an einer Schlafstörung leiden. Manchmal liegt nur eine Form vor, manchmal löst die organische Schlafstörung in der Folge auch eine nicht-organische Schlafstörung aus. Manchmal besteht eine Schlafstörung ohne Vorliegen einer psychischen Erkrankung, manchmal ist sie ein Symptom einer psychischen Erkrankung. Lange Zeit unbehandelte Schlafprobleme stellen einen Risikofaktor dar an einer Depression zu erkranken.

Wie stellt man eine Schlafstörung fest?

Da Schlafstörungen psychische, neurologische, Hals-Nasen-Ohren-ärztliche oder pneumologische Ursachen haben können, bedarf es häufig einer gründlichen und bei Bedarf fachgebietsübergreifenden Untersuchung. Hierfür arbeiten wir in der Psychiatrischen Schlafsprechstunde eng mit dem interdisziplinären Schlafzentrum Berner Oberland zusammen.

Bei psychisch bedingten Schlafstörungen können oftmals veränderte Schlafgewohnheiten und eine veränderte Tagesbefindlichkeit, z.T. mit Schonverhalten und Rückzug am Tag, erfragt werden. Inwiefern nur Stress und schlafhinderliche Verhaltensweisen vorliegen oder auch begleitend eine psychische Erkrankung vorliegt (z.B. Depression, Angst oder Abhängigkeitsproblematik) kann so gut beurteilt werden. Ergänzend kommen Fragebögen und Schlafprotokolle zur Anwendung. Besteht zusätzlich der Verdacht auf eine körperliche Ursache der Schlafproblematik kann mittels eines kleinen Gerätes am Handgelenk über zwei Wochen das Schlafverhalten dokumentiert werden (Aktigraphie) oder eine Nacht im Schlaflabor (Polysomnographie) Herzfunktion, Atmung, Hirnstromkurve, Schlafmuster und Extremitätenbewegungen aufgezeichnet werden. 

Was hilft bei Schlafproblemen?

Bei körperlichen Ursachen der Schlafstörung gilt es primär die körperliche Ursache zu behandeln. Bei einer Schlafapnoe kann dies eine Spange oder ein Beatmungsgerät sein, bei unruhigen Beinen die Gabe oder der Wechsel eines Medikamentes usw. Bei jeglichen psychischen Erkrankungen, z.B. Depressionen, gilt es immer die zugrundeliegende Erkrankung ursächlich zu behandeln. Klingt die Schlafstörung hierunter im Verlauf nicht ab, empfiehlt sich eine zusätzliche psychotherapeutische und ggfs. ergänzende medikamentöse Behandlung.

Bei psychisch bedingten Schlafstörungen ist es in jedem Fall hilfreich das allgemeine Stressniveau zu senken und die Entspannungsfähigkeit, z.B. durch Entspannungsübungen, zu fördern. Regelmässige Zubettgehzeiten und Aufstehzeiten helfen die Innere Uhr zu stabilisieren und somit die Einschlaffähigkeit zu fördern. Später Kaffee-, Alkohol- oder Nikotinkonsum sollte aufgrund anregender Wirkung vermieden werden, ebenso späte schwere Mahlzeiten. Blaues Licht von LED-Computerbildschirmen aktiviert spezielle Lichtrezeptoren, welche den Schlaf-/Wachrythmus beeinflussen, und sollte ebenfalls vermieden werden. Zudem ist eine Pufferzone zwischen Alltag und Zubettgehen oft hilfreich. Auch ein Abendritual kann zur Einstimmung auf den Schlaf helfen. Nächtliches Uhrsehen führt meist zu einer Zunahme der Anspannung und wird deshalb nicht empfohlen. Neben den aufgezeigten Schlafhygiene-Regeln ist es sehr wichtig den Tag mit ausreichend Aktivität zu verbringen und Tagschlaf zu vermeiden, denn nur so kann ausreichend Schlafdruck entstehen um am Abend gut einschlafen zu können. Gehören Sie zu den Menschen, die im Bett viel Grübeln, könnten Sie versuchen bewusst am Tag Zeiten zum Nachdenken zu schaffen um hierdurch nächtliches Grübeln zu vermeiden.

Im Rahmen einer verhaltenstherapeutischen schlafspezifischen Behandlung gibt es darüber hinaus verschiedene Möglichkeiten das Schlafverhalten und das Vertrauen in die eigene Schlaffähigkeit zu bearbeiten.

Tipps für Betroffene

Wenn Sie bei sich den Verdacht auf eine Schlafstörung haben könnte es ratsam sein, diese abklären und bei Bedarf behandeln zu lassen. Wir bieten hierfür eine entsprechende Spezialsprechstunde an und arbeiten eng mit dem Schlaflabor Berner Oberland zusammen. Stehen körperliche Ursachen des gestörten Schlafes im Vordergrund, z.B. nächtliche Atemaussetzer, so wird ihr Hausarzt sie primär zum Lungenspezialisten zuweisen. Ist ihre Schlafstörung weniger körperlich bedingt und mehr Folge von Stress und Anspannung oder psychischer Erkrankung, so empfiehlt sich die Anmeldung in der Psychiatrischen Schlafsprechstunde. Neben der hausärztlichen Zuweisung ist hier auch eine Selbstzuweisung möglich.

Sie selbst können auch schon viel zu einer Verbesserung Ihres Schlafes beitragen wenn Sie die Schlafhygiene-Regeln umsetzen und ihre Entspannungsfähigkeit fördern. Wichtig ist auch, dass sie nicht mit Druck und Zwang schlafunterstützende Massnahmen ausführen, denn dies bewirkt genau das Gegenteil. Vermeiden Sie nicht angenehme Aktivitäten, weil Sie sich müde fühlen oder Angst haben dadurch den Schlaf negativ zu beeinflussen. Das Gegenteil ist der Fall, je mehr angenehme Dinge sie tun umso besser können Sie entspannen und schlafen.

Weitere Tipps, Informationen und verschiedene Broschüren finden Sie auch auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).

Tipps für Angehörige

Für Aussenstehende ist die Besorgtheit, welche Menschen mit Schlafproblemen dem Thema Schlaf widmen, oft nur sehr schwer nachvollziehbar. Bei ausgeprägter Symptomatik wird teilweise jedoch auch der Schlaf des Bettpartners mit gestört, separate Schlafzimmer bezogen oder Angehörige zu mehr Ruhe aufgefordert, weil der Betroffene am Tag versucht, Schlaf „nachzuholen“. Es ist sicherlich hilfreich, hierauf mit Verständnis zu reagieren, und zugleich zu versuchen zu weniger Schonverhalten und Tagschlaf zu motivieren, denn eben dies erhält, wie oben beschrieben, den Teufelskreis von Schlafproblemen oftmals aufrecht.

 
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