Essstörungen

Was sind Essstörungen?

Essen ist etwas Natürliches, ja sogar etwas Überlebenswichtiges. Täglich werden wir mehrmals mit dem Thema Essen konfrontiert. Auch die Frage nach der erfolgreichsten Diät und der äusserst kritische Blick in den Spiegel gehören zum Alltag vieler Frauen und Männer. Unzufriedenheit mit der Figur und dem Gewicht, der Wunsch, dünner zu sein oder das Durchführen konkreter gewichtsreduzierender Massnahmen werden zu einem hohen Prozentsatz, v.a. von jungen Frauen, bejaht. Längst nicht alle, die dies tun, entwickeln aber auch eine Essstörung. Wiederholte Diäten und Gewichtsverluste sowie die übermässige Beschäftigung mit der Figur und dem Gewicht gelten jedoch als Risikofaktoren für die Entwicklung einer Essstörung. Gerade ein negatives Körperbild und eine daraus resultierende Selbstwertproblematik können die Entwicklung einer Essstörung, jedoch auch einer Angst- und/oder depressiven Störung begünstigen. Insbesondere bei jungen Menschen kann das aktuelle Schönheitsideal (das u.a. auch durch Medien vermittelt wird) die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper zusätzlich fördern.

Als Essstörung wird eine sog. Verhaltensstörung mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitsschäden bezeichnet. Zentral ist die ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema Essen. Bei Essstörungen geht es daher oft um eine ungesunde Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung oder es kommen zusätzliche Strategien der Nahrungsausscheidung (Erbrechen, Einsatz von Abführmitteln) zum Einsatz. Zentral ist immer, dass die Betroffenen sich zwanghaft mit dem Thema Essen beschäftigen.

Bekannte Essstörungen sind die Magersucht (Anorexie), die Ess-/Brechsucht (Bulimie) sowie regelmässige Essattacken (sog. Binge Eating). Adipositas (Übergewicht) ist als eigenständige Diagnose in den gängigen Klassifikationssystemen (ICD-10 und DSM-IV) nicht aufgeführt, da ein erhöhtes Körpergewicht allein nicht die Diagnose einer psychischen Störung rechtfertigt. Übergewicht kann jedoch oft als eine Ursache oder Folge einer psychischen Störung angesehen werden. Verändertes und/oder ungesundes Essverhalten lässt sich oft auch bei anderen psychischen Störungen finden. Essstörungen sind in der Regel mit grossem Leid der Betroffenen und auch der Angehörigen verbunden und können langfristig auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.

Wie stellt man eine Essstörung fest?

Meist äussern behandelnde Zahnärzte, Gynäkologen, Hausärzte oder Angehörige erstmals den Verdacht einer Essstörung und überweisen die Betroffenen an eine entsprechende Therapiestelle. Im Rahmen unserer ambulanten psychiatrischen Behandlung erfolgen zunächst eine umfangreiche Anamneseerhebung, eine diagnostische Abklärung und die Empfehlung einer körperlichen Untersuchung (inkl. Blutuntersuchungen).

Wichtig dabei ist, dass die Diagnose einer Essstörung nicht im Sinne einer „Überführung“ der Betroffenen aus Indizien erfolgt – viele sind sich eines „falschen Verhaltens“ bewusst, die Bereitschaft, sich zu öffnen oder auch nur kleinste Veränderungen zuzulassen ist bei vielen Betroffenen deutlich gemindert. Ein behutsames, gemeinsames und zielgerichtetes Vorgehen ist notwendig, um eine weitestgehende „Normalität“ wieder herzustellen.

Was hilft bei einer Essstörung?

Diese Frage ist nach der Diagnosestellung ganz individuell anzuschauen. Im Rahmen der Abklärungen ist die sogenannte Psychoedukation, also die Vermittlung von Wissen über die Erkrankung, ein wesentlicher Bestandteil. Weiter spielt oft auch die Klärung von Entstehungs- und aufrechterhaltenden Faktoren der vorliegenden Essstörung eine zentrale Rolle. Bei Essstörungen erfolgt in der Regel eine sog. interdisziplinäre Behandlung (zusätzlicher Einbezug eines Ernährungsberaters, Zahnarzt, Gynäkologen/Hausarzt), sofern dies der/die Betroffene auch möchte. Im Rahmen einer Abklärung oder Behandlung geht es immer auch darum, den geeigneten Therapierahmen abzustecken und zu definieren. Wenn das Gewicht zu niedrig ist oder andere Komplikationen führend sind, kann es sein, dass auch zuerst ein Aufenthalt im Spital oder in einer spezialisierten Klinik erfolgen muss, um eine ambulante Weiterbehandlung zu ermöglichen.

Tipps für Betroffene

Wenn Sie unter einer Essstörung leiden oder sich diesbezüglich nicht sicher sind, können Sie sich an ihre Hausärztin/ ihren Hausarzt, an ihren Gynäkologen/ ihre Gynäkologin, an eine Beratungsstelle wie die der Berner Gesundheit oder an uns wenden, um Hilfestellung zu erhalten. Denn es ist oft sehr schwer, ohne Hilfe das Essverhalten und das Gewicht zu normalisieren sowie ein positiveres Körperbild zu erreichen. Längerfristige körperliche Schädigungen sollten möglichst gering gehalten oder vermieden werden - hier ist eine frühe Erkennung und Behandlung sehr wichtig.

Bei der Berner Gesundheit finden Sie weitere Informationen, Broschüren zum Download und Links. Die Berner Gesundheit bietet auch spezifische Gruppentherapien für Betroffene an.

Literaturtipps:

  • Wenn Essen nicht satt macht. Emotionales Essverhalten erkennen und überwinden. Jennifer Taitz (Balance Buch + Medien, ISBN 978-3-86739-082-8, zirka 30 Franken)
  • Das schwere Los der Leichtigkeit. Vom Kampf mit dem eigenen Körper. Portia De Rossi (MVG Moderne Verlaggesellschaft, ISBN 978-3-86882-238-0, zirka 28 Franken)
  • Pro Mente Sana, Heft 10/2 (Bezug im Shop der Pro Mente Sana)

Tipps für Angehörige

Wenn ein/e Angehörige/r von Ihnen an einer Essstörung leidet, signalisieren Sie vor allem Unterstützung und Wohlwollen. Viele Betroffene haben aufgrund der Erfahrungen in ihrem Leben ein ausgeprägtes sensibles Ohr für Vorwürfe und Rückmeldungen bezüglich der Figur, des Essverhaltens und des Gewichts. Oft fühlen sie sich dadurch auch unter Druck gesetzt. Wenn sich die/der Angehörige in Behandlung befindet, bieten sich z.B. in diesem Rahmen gemeinsame Gespräche an, um einen besseren gemeinsamen Umgang mit den Problembereichen zu entwickeln.

Versuchen Sie, Ihr Wissen über die Problematik zu vertiefen und so Verständnis für die Schwierigkeiten Ihres Angehörigen zu bekommen. Empfehlenswert ist eine Kontaktaufnahme mit der Berner Gesundheit, welche auch für Angehörige von Betroffenen einer Essstörungen fachliche Unterstützung anbietet.

 
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